GRUSSWORT VON
DR. FRITZ PLEITGEN

SCHIRMHERR DES
JUNGEN ORCHESTERS NRW




Liebe Freunde der Musik,

es ist mir als Vorsitzender Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH eine große Freude und Ehre, im Kulturhauptstadtjahr 2010 die Schirmherrschaft für das 25jährige Jubiläum des jungen orchesters NRW zu übernehmen. Denn dieses Ensemble ist nicht nur im Herzen der Metropole Ruhr entstanden, es steht auch für Werte des Ruhrgebiets: Eigeninitiative und Unabhängigkeit, junges Denken und traditionsreiche Kultur über künstlerische und geographische Grenzen hinweg.

Es war wohl ein gutes Omen, dass das junge orchester NRW im Jahr 1985 gegründet wurde, als die UNO das Internationale Jahr der Jugend und die damalige Europäische Gemeinschaft das Europäische Jahr der Musik ausriefen. Ob der 15jährige Jungstudent Ingo Ernst Reihl seinerzeit sich dessen bewusst war? Wohl kaum! Als ich 15 Jahre alt war, dachte ich nur an Fußball und Journalismus, und so drehte sich bei Reihl alles um Musik und Komposition. Auf dem Weg zu seinem Kompositionsunterricht traf er am Werdener S-Bahnhof zufällig auf eine Gruppe von Musikern. Diese Schülerinnen und Schüler kamen gerade von der letzten Probe des Kammerorchesters des Gymnasiums Essen-Werden. Es sollte mangels eines Dirigenten aufgelöst werden, und Reihl bot spontan seine Dienste an. Denn er hatte bereits mit 13 Jahren ein eigenes Werk mit dem Sinfonieorchester der Mülheimer Musikschule einstudiert und seitdem des Öfteren verhinderte Orchesterleiter in Proben vertreten. Die Gruppe ließ sich auf das Experiment ein. Ein neuer Probenort, ein neuer Name und ein neues Konzept wurden gefunden: Die Idee eines Kammerorchesters mit ausgesuchten Musikschülern und -studenten wandelte sich zu der eines freien und offenen symphonischen Orchesters – ohne Träger oder übergeordneten Institutionen. Und von Anfang an fühlten sich die Gründungsmitglieder als „Eigeninitiative von Jugendlichen“, die nicht einer einzelnen Stadt, sondern dem Ruhrgebiet verbunden ist. Als sich im Laufe der Jahre auch immer mehr Mitspieler aus dem Rhein- und Münsterland für das Orchester interessierten, wählte man den Namen das junge orchester NRW.

Seit 1986 erarbeitet das junge orchester NRW zwei bis drei sinfonische Programme im Jahr und präsentiert sie in zahlreichen Konzerten – immer noch unter der Musikalischen Leitung von Ingo Ernst Reihl. Abgesehen davon, dass sich das Ensemble von Anfang an auch als gemischter Chor formierte, werden Schnittpunkte mit anderen Kunstsparten gesucht – wie der Literatur, der bildenden Kunst, dem Tanz und natürlich dem Oratorium, der Oper und dem Musical. Zu seinem Jubiläumsjahr spielt das junge orchester NRW nicht nur zwei Festkonzertprogramme mit Werken von Brahms, Schostakowitsch, Sibelius und Tschaikowsky, sondern mit „Die Zehn Gebote“ auch ein Pop-Oratorium von Dieter Falk und Michael Kunze. Damit beteiligt sich das Ensemble an einem Kulturhauptstadtprojekt der Evangelischen Kirchen, dessen Uraufführungstermin mit gut 9.500 Konzertbesuchern bereits zweieinhalb Monate vor der Vorstellung ausverkauft war.

Das junge orchester NRW kennt ähnlichen Publikumszuspruch etwa von Konzerten in der Essener Philharmonie, auch wenn sein Markenzeichen dort ein (spät-)romantisches symphonisches Repertoire ist, verbunden mit zeitgenössischer Musik. Zu den Komponisten, mit denen das Ensemble direkt zusammenarbeitete, gehören Michael Gees, Petr Eben, Oleg Jantschenko, Gideon Lewensohn, Kunsu Shim und Gerhard Stäbler. Das junge orchester NRW scheut die Aktualität nicht. Und so engagiert es sich nicht nur innerhalb des Orchesters aktiv im Bereich der Jugendarbeit, sondern entwickelt Kinderkonzerte und erstellt in Kooperation mit Musiklehrern Konzepte für den Musikunterricht, die Schüler auf den Besuch der Konzerte vorbereiten.

Musik ist jung und hält jung, weil Musik die Sprache der Seele ist – und dieser grenzenlosen Sprache wird man nie müde. Darum ist es mehr als eine glückliche Fügung, dass im Kulturhauptstadtjahr von RUHR.2010 das 25jährige Jubiläum des jungen orchesters NRW begangen wird, das von Jugendlichen in Essen gegründet wurde und sich seither in der Metropole Ruhr beheimatet fühlen kann.

„Glück Auf“ für die kommenden 25 Jahre!

Dr. h.c. Fritz Pleitgen

Vorsitzender Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH